Jeder hier in Düsseldorf fährt irgendwann am Wochenende ins Bergische. Das ist kein Geheimtipp, das ist Pflichtprogramm. Und seit zwei Jahren höre ich denselben Satz: mit dem XDiavel? Da? Wo alle zwei Kilometer eine Kurve kommt? Ja, genau da.

Samstag um sieben los, über Solingen und an der Müngstener Brücke vorbei Richtung Remscheid. Um die Zeit ist unten im Tal noch niemand unterwegs, die Sonne steht flach zwischen den Bäumen und der Testastretta bollert so tief, dass man ihn zwischen den Hängen zweimal hört. Danach die B229 hoch nach Wermelskirchen und weiter Richtung Wipperfürth. Das sind keine Alpenkurven. Das ist ständiges Auf und Ab mit Kuppen, hinter denen man erst mal gar nichts sieht, und Belag, der von Ortsschild zu Ortsschild wechselt.

Und ja, das Motorrad ist dafür das falsche Werkzeug. Der Radstand ist zu lang, die Füße sitzen zu weit vorne, und in engen Kehren muss man die Kiste bewusst umlegen statt sie nur zu denken. Aber genau das macht es interessant. Man fährt nicht schnell, man fährt sauber. Früh bremsen, früh einlenken, dann ab Kurvenmitte am Gas ziehen und den V2 arbeiten lassen. Aus einer Kuppe raus zieht das Ding so an, dass jeder Vergleich mit einem gemütlichen Cruiser sofort erledigt ist.

Pause war am Altenberger Dom, halb zehn, drei Motorräder auf dem Parkplatz und ein Kaffee im Pappbecher. Zwei ältere Herren mit Boxern kamen rüber und wollten wissen, wie sich das Ding auf so einer Strecke fährt. Ehrliche Antwort: anstrengender als eure. Danach zurück durchs Wuppertal, ab elf war die Strecke voll und der Rest des Tages gehörte anderen.

Fazit nach hundertsechzig Kilometern: das Bergische ist nicht das Revier dieses Motorrads, und trotzdem war es einer der besseren Samstage in diesem Jahr. Manchmal ist das falsche Motorrad genau deswegen das richtige, weil man wieder anfängt, über das Fahren nachzudenken.

📅 19 Aug 2026 👁 4 💬 2 👍 1

Коментарі (2)

O OrangeGrit 14 дн тому

Von Köln aus ist das Bergische die Hausstrecke, ich fahre die B229 mindestens zweimal im Monat. Mit der Duke bestraft dich derselbe Abschnitt anders herum, die ist so leicht, dass man hinter den Kuppen zu spät merkt, wie schnell man schon ist. Und vor elf am Altenberger Dom zu sein ist der einzige Weg, das Ganze zu genießen.

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XDiavelKing XDiavelKing 14 дн тому

Die B229 zweimal im Monat, dann kennst du die Kuppen besser als ich. Vor elf ist wirklich die halbe Miete.

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