pred 26 d
Auf dem Zettel steht seit August eine Zeile, bei der ich mir selbst gesagt hatte, dass sie Winterarbeit ist: Lenkkopflager. Der Karton mit dem neuen Satz liegt seit dem Sechzehnten auf der Werkbank und ist seitdem zweimal umgeraeumt worden, damit ich an etwas anderes drankomme. Gestern Abend habe ich ihn dann doch aufgemacht.
Der Grund ist banal. Es wird um sieben dunkel, nach Feierabend reicht es nicht mehr fuer zwei Stunden raus, und wenn ich ehrlich bin, faengt der Winter fuer die XS nicht im Dezember an, sondern genau jetzt. Dann kann die Arbeit auch genauso gut jetzt anfangen.
Lenker ab, Bremsleitung vorsichtig zur Seite gehaengt, damit nichts geoeffnet werden muss, Vorderrad raus, Gabel nach unten weg. Bis dahin ist es eine halbe Stunde und nichts, was einen ueberrascht. Interessant wird es erst, wenn die obere Schale kommt. Die Kugeln sind noch die originalen und lose, sechsundzwanzig oben und dieselbe Zahl unten, und das alte Fett dazwischen hatte die Farbe und die Konsistenz von altem Kaugummi. Zwei Kugeln sind mir beim Abnehmen in die Werkstatt gerollt und waren erst nach zehn Minuten wieder da.
Die Laufbahn unten sieht genau so aus, wie ich es nach dem Klacken im August erwartet hatte. In Geradeausstellung sitzen zwei feine Rillen, mit dem Fingernagel deutlich zu spueren, und drumherum ist die Bahn blank. Das ist kein Verschleiss vom vielen Fahren. Das ist ein Motorrad, das jahrzehntelang mit demselben Lenkeinschlag in einer Scheune gestanden hat und danach ein paar hundert Kilometer geradeaus gefahren wurde. Genau dort rastet der Lenker beim Loslassen ein, und genau das habe ich die ganze Zeit fuer Fahrwerksgefuehl gehalten.
Die alten Schalen sind mit einem langen Durchschlag von innen rausgetrieben, ueber Kreuz, ein paar Schlaege pro Seite, immer im Wechsel. Das ist der Moment, in dem man nicht ungeduldig werden darf, weil ein schief stehender Rest die Aufnahme im Rahmen beschaedigt, und die bekommt man nicht neu. Rein kommen Kegelrollenlager statt der losen Kugeln. Bei der XS ist das inzwischen der Normalfall, und wenn man sieht, was originaler Ersatz kostet, auch die einzige verstaendliche Loesung. Die neuen Schalen haben vorher eine Nacht im Gefrierfach verbracht, die Aufnahme am Rahmen kurz warm mit dem Heissluftfoen, dann gehen sie fast von selbst hinein.
Zusammengebaut wird heute Abend, und nachgestellt wird in ein paar Tagen noch einmal, weil sich frische Lager in den ersten Kilometern immer setzen. Auf dem Zettel steht damit eine Zeile weniger, und das zum ersten Mal seit Wochen, ohne dass unten zwei neue dazugekommen sind.