pred 10 d.
Samstagfrueh war es schon warm, und der Karton mit den Lenkkopflagern lag genau da, wo er seit letzter Woche liegt. Ich habe ihn liegen lassen und bin rausgefahren. Ueber Altlandsberg raus aus der Stadt und dann die kleinen Strassen Richtung Buckow, weil man da ab dem Ortsausgang eigentlich nur noch Feld, Allee und ab und zu ein Stueck Kopfsteinpflaster hat.
Es wurden knapp hundertachtzig Kilometer, die erste laengere Runde seit dem Tag, an dem ich die Kette nachgemessen habe. Und genau dafuer war sie gut. Auf der Landstrasse merkt man gar nichts, da laeuft der Twin in seinem Bereich und alles ist ruhig. Aber in den langsamen Ecken hinter den Doerfern, wenn man im zweiten Gang aus niedriger Drehzahl wieder aufmacht, kommt ein kurzes Rucken in den Antrieb. Nicht laut, nicht dramatisch, eher so, als wuerde jemand zweimal ganz kurz an einer Leine ziehen.
In Buckow habe ich angehalten und die Kette an der Stelle nachgefuehlt, die mir zu Hause schon nicht gefallen hat. Warm und nach hundert Kilometern laesst sie sich dort deutlich weiter zur Seite bewegen als kalt in der Garage, waehrend sie zwanzig Zentimeter weiter fest auf dem Ritzel sitzt. Damit hat sich die Frage, ob das noch bis September reicht, von allein erledigt. Ich habe das Motorrad stehen lassen, mir am Kiosk etwas zu trinken geholt und eine Viertelstunde einfach nur dagesessen.
Zurueck bin ich dann bewusst frueh geschaltet und ohne harte Lastwechsel gefahren, was auf diesen Strassen ehrlich gesagt kein Verzicht ist. Abends habe ich den kompletten Satz bestellt, Kette, Ritzel und Kettenrad zusammen knapp hundertsechzig Euro. Kommt naechste Woche, und eingebaut wird sofort, nicht im Winter.
Auf dem Zettel steht damit zum ersten Mal seit Wochen eine Zeile, die nicht auf kaltes Wetter wartet. Die Lenkkopflager liegen weiter daneben im Karton und koennen das ruhig noch eine Weile tun. Wenn im Herbst beides erledigt ist, habe ich ein Motorrad, an dem nichts mehr offen ist. Vermutlich faengt der Zettel dann wieder bei eins an.