há 1 meses // atualizado há 22 d
Der Glaubenberg ist von Luzern aus der Pass für Tage, an denen man eigentlich keine Zeit für einen Pass hat. Hinter Entlebuch hinauf, auf der anderen Seite hinunter nach Sarnen und dem See entlang zurück: das ist in einem halben Tag gemacht, und oben ist man trotzdem weit genug weg von allem.
Die Continental GT braucht an kühlen Morgen ihre Zeit. Einspritzung hin oder her, der luftgekühlte Zweizylinder läuft die erste Minute mit erhöhtem Leerlauf, bis das Öl etwas Temperatur hat. Ich habe gelernt, dabei nicht ungeduldig zu werden. Wer mit kaltem Motor und kalten Reifen losfährt, rollt meistens sehr vorsichtig durch das erste Dorf.
Hinter Finsterwald wird die Strasse schmal und die Kehren werden eng. Genau dort merkt man, wofür dieser Motor gebaut wurde und wofür nicht. Im dritten Gang zieht er gleichmässig aus jeder Kurve, die Bremsen dagegen wollen, dass man früh an sie denkt. Vorne arbeitet nur eine Scheibe, und das spürt man bei jeder Abfahrt.
Oben standen die ersten Weiden schon leer. Kurz nach der Passhöhe stand ein Bauer mitten auf der Strasse und winkte mich an den Rand. Hinter ihm kam eine Herde herunter, vielleicht dreissig Tiere mit Glocken, dazu ein Hund, der genau wusste, was er tat. Ich habe den Motor abgestellt und gewartet. Zehn Minuten nichts als Glocken, dann war die Strasse wieder frei, mit allem, was so eine Herde auf dem Asphalt zurücklässt.
Die Abfahrt nach Sarnen bin ich entsprechend langsam gefahren. Unten ein Kaffee am See, dann über Alpnach und Hergiswil zurück nach Luzern. Gut hundert Kilometer, und die GT hat danach in der Garage so ruhig getickt, als hätte sie genau darauf gewartet.
Am Glaubenberg stehst du im September fast sicher einmal hinter einer Herde. Motor abstellen ist dort genau richtig, die Hunde nehmen laufende Motorraeder sehr persoenlich 😄