Am Sonntag hatte ich noch geschrieben, dass das Gabeloel seit dem Aufbau auf dem Zettel steht und im Winter sowieso drankommt. Am Dienstag beim Putzen hat sich das erledigt. Am linken Standrohr, knapp unter der Staubkappe, lag ein duenner Oelfilm, und darin klebte der Staub von der Ausfahrt. Ein Ring, sauber einmal rundherum. Das ist kein Oel, das von irgendwo heruntergelaufen ist, das ist ein Simmerring, der aufgegeben hat. Wie bei der Kette hat also wieder das Motorrad entschieden und nicht der Zettel.

Gestern Abend also Motorrad auf den Hauptstaender, eine Kiste unter den Motor, bis das Vorderrad frei hing. Rad raus, Schutzblech ab, den Bremssattel mit einem Stueck Draht an den Rahmen gehaengt, damit die Leitung nicht am Sattel zieht. Dann die Klemmschrauben geloest und die Holme einzeln nach unten herausgedreht. Das ging leichter als befuerchtet, nach Jahrzehnten in der Scheune hatte ich mit festgegammelten Klemmungen gerechnet.

Das alte Oel war genau so, wie man es sich nach so langer Zeit vorstellt: graubraun, duenn wie Wasser und mit diesem verbrannten Geruch, den man nicht mehr aus den Fingern bekommt. Links kam deutlich weniger heraus als rechts. Der Rest davon war die letzten Wochen auf dem Standrohr und in meinen Putzlappen. Im Messbecher lag am Ende eine duenne graue Schicht am Boden, Abrieb aus Jahrzehnten, aber keine Spaene und nichts, was glaenzt.

Der schwierige Teil waren die Simmerringe. Staubkappe runter, Sicherungsring raus, und dann sitzt der alte Ring da, als waere er eingeschweisst. Ich habe das Gleitrohr mit dem Heissluftfoen angewaermt und den Ring mit einem breiten Schraubenzieher ueber einem gefalteten Lappen herausgehebelt, Stueck fuer Stueck rundherum. Den Lappen nicht vergessen: wer direkt auf der Alukante hebelt, hat hinterher eine Kerbe, und die macht den neuen Ring genauso kaputt, wie der alte es war. Die neuen Ringe habe ich mit einer alten Nuss im passenden Durchmesser und leichten Hammerschlaegen eingetrieben, bis sie gerade auf Anschlag sassen.

Dabei habe ich auch die Ursache gefunden. Auf dem linken Standrohr sitzt eine kleine Roststelle, genau an der Kante, bis zu der die Gabel bei normaler Fahrt einfedert. Nicht gross, man sieht sie nur, wenn das Licht schraeg darauf faellt, aber an ihr ist die Dichtlippe bei jedem Einfedern vorbeigeschliffen. Ich habe sie mit Achthunderter Nassschleifpapier und etwas Oel vorsichtig geglaettet, bis ich mit dem Fingernagel nichts mehr spuere. Perfekt ist das nicht. Wenn der Ring im Fruehjahr wieder schwitzt, kommen neue Standrohre auf die Liste.

Befuellt habe ich mit Zehner Gabeloel, pro Holm genau die Menge aus dem Werkstatthandbuch, abgemessen mit einer grossen Spritze. Danach die Holme langsam durchgepumpt, bis keine Luft mehr kam, und den Oelstand bei ausgebauter Feder von oben nachgemessen. Beide Seiten gleich, auf den Millimeter. Federn rein, Verschlussschrauben drauf, zusammengebaut, Achse und Klemmungen mit Drehmoment. Teile fuer knapp dreissig Euro, Oel dazu, und ein Abend, der eine Stunde laenger ging als geplant.

Die Probefahrt steht noch aus, gestern war es dafuer zu spaet und zu dunkel, und die Nachbarn haben Anspruch auf ihre Ruhe. Heute Abend dann. Auf dem Zettel steht jetzt eine Zeile weniger. Die Standrohre schreibe ich trotzdem schon mal mit Bleistift dazu.

📅 10 Sep 2026 👁 20 💬 2 👍 1

Comentarios (2)

F FogWolf hace 1 mes(es)

Die Roststelle genau an der Kante kenne ich. Bei meiner alten Bandit habe ich die Ringe zweimal getauscht, bevor ich eingesehen habe, dass das Rohr raus muss. Das Nassschleifpapier hat bei mir einen Sommer gehalten. Viel Spass bei der Probefahrt heute Abend 👍

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B BarnCafe hace 1 mes(es)

Probefahrt gestern noch gemacht, beide Rohre trocken. Die neuen Standrohre stehen trotzdem schon mit Bleistift auf dem Zettel.

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